Niströhren sind installiert, der Steinkauz kann ruhig kommen

15.09.2008


Testlauf für den Steinkauz:

Die kleine Eule soll in Altstadt heimisch werden, wenn es nach dem Willen des örtlichen Naturschutzbundes geht. Auf einer Streuobstwiese, die der Umweltverband kürzlich in sein Eigentum übernommen hat, wurden deswegen jetzt spezielle Nisthilfen für den Kauz installiert. Zur Montage der etwa einen Meter langen und etwa fünf Kilogramm schweren Röhren war eigens der Kauz-Experte Peter Mende aus Wattweiler gekommen. Vornehmlich im Bliesgau, aber auch in angrenzenden Regionen betreut er inzwischen mehr als 150 solcher Kästen, die größtenteils auch bebrütet werden. „Auch wenn es in der unmittelbaren Umgebung kein Steinkauzvorkommen bekannt ist, so ist es dennoch kein Ding der Unmöglichkeit, dass er sich in Altstadt ansiedelt“, gab sich der Fachmann zuversichtlich.

Das „Biotop“ stimme jedenfalls, meinten auch Marion und Dieter Geib, die beim Altstadter NABU für die Sparte Vogelschutz zuständig sind. Die uralten, knorrigen Apfelbäume auf der Streuobstwiese, daneben ein offenes, parkähnliches Gelände, das zudem unzugänglich sei - das seien für das ausgewachsen nur 23 Zentimeter große Eulchen beste Vorraussetzungen. Käfer, Grillen und Heuschrecken, Regenwürmer oder Mäuse stünden in der Hauptsache auf dessen Speisezettel, aber auch Ratten und Wiesel verschmähe der kämpferische Vogel nicht. „Der Lebensraum und das Nahrungsangebot passen also, warum sollen wir es dann nicht einmal versuchen?“, meinen die beiden Naturschützer. Auch das Angebot an „Sitzwarten“, von denen aus der nicht nur nachts, sondern auch tagsüber aktive Steinkauz seine Umgebung im Auge behalten kann, sei vielfältig. Im Herbst will der Altstadter Umweltverband die Streuobstwiese „verjüngen“, dann sollen eine ganze Anzahl neuer Obstbäume gepflanzt werden, um auch für Zukunft das „Biotop Streuobstwiese“ an gleicher Stelle zu erhalten.

„Aber bitte nur hochstämmige Bäume und wenn möglich alte, traditionelle Obstsorten“ mahnte Peter Mende an. Und er forderte dazu auf, die großen alten Bäume auf dem NABU-Grundstück so lange wie irgend möglich zu hegen und zu pflegen: „So alte, stattliche Bäume sind nicht allein für den Steinkauz, sondern für viele andere Tierarten eigentlich unverzichtbar. Und gerade in diesem Jahr müssen wir erleben, dass aufgrund der übergroßen Apfellast leider sehr, sehr viele alte Bäume zusammengebrochen und damit für immer verloren sind“.

Die jetzt installierten künstlichen Brutröhren sind nach Mendes Worten nur Provisorien. Im nächsten Frühjahr werde er erstmals überprüfen, ob sich der Steinkauz eingefunden habe. Sollte dies der Fall sein, werden erst die „richtigen“ Quartiere an Ort und Stelle kommen. Altvögel und Nachwuchs, so berichtet der Fachmann, mache diese Modernisierung des Quartiers nichts aus, im Gegenteil: “Sie schauen immer ganz interessiert zu, was da passiert“. Dass ein Steinkauz zugegen ist, sei übrigens oft ganz einfach zu erkennen: Sitzt die nur amselgroße Eule am Tag auf einem Ast, dann versammeln sich in der Regel eine ganze Menge Singvögel um ihn herum und schreien ihn im Chor ganz erregt an. Dieses Spektakel sei dann schwerlich zu übersehen.

Martin Baus

 

 


Brutröhre für den amselgroßen Steinkauz: Peter Mende sorgte für die fachmännische Montage der Nisthilfe beim Altstadter Naturschutzbund, Marion und Dieter Geib leisteten an den alten, knorrigen Apfelbäumen Hilfestellung.

Fotos: Martin Baus



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Letzte Änderung: 10.10.2008