Kopfweiden im Feuchtbiotop am Brandweiher wurden gepflegt

"Wenn das so weiter geht, dann müssen wir bald auslosen, wer mithelfen darf", stellte Hans-Jürgen Sand nicht ganz ernst gemeint fest. Dass so viele Helfer zum jüngsten Arbeitseinsatz des Altstadter Naturschutzbundes gekommen waren, das verblüffte aber allgemein doch. Waren vor Jahresfrist gerade einmal eine Handvoll Akteure mit Astscheren, Sägen und Doppelhandsichel mit von der Partie, so hatte sich deren Zahl nun mehr als verdreifacht. Zwischen 12 und 76 Jahre alt waren die Helfer, denen in der Jagdhütte nach getaner Arbeit ein deftiger Eintopf winkte. Marion Geib, ansonsten für den Internet-Auftritt und sowie die Betreuung der Wanderfalken im Saarland zuständig, hatte die PC-Maus mit dem Kochlöffel getauscht und passend zu den leichten Minusgraden eine heiße, steife Suppe kreiert.


Die Kopfweiden am "Brandweiher", einem ehemaligen Löschteich unweit des Zollbahnhofes, standen im Mittelpunkt der Aktion in Sachen Naturschutz. Ihnen eine neue "Frisur" zu verpassen lautete die Aufgabe, die das NABU-Team zu bewältigen hatte. Das etwa einen Hektar große Feuchtgebiet war von dem Altstadter Umweltverband vor mehr als 25 Jahren angelegt worden. Das Gelände befindet sich zum Teil im Eigentum des Umweltverbandes, zum Teil haben aber auch private Grundstücksbesitzer ihre Parzellen für den Naturschutz zu Verfügung gestellt. Bei der Bepflanzung des Terrains anno 1982 waren Weidenstöcke in den feuchten Erdboden gesteckt worden. Diese haben sich zwischenzeitlich zu ansehnlichen Büschen und Bäumen "gemausert".

Diese Kopfform der Weide hat eine alte Tradition: Früher stand sie in Wiesen, um einerseits die Ufer von Bächen, Gräben und Teichen auf natürliche Weise zu befestigen und vor Abbrüchen zu schützen. Andererseits wurde aus ihr auch ganz praktischer Nutzen gezogen; der Rückschnitt auf den Stamm diente auch der Gewinnung von Weidenruten, die beim Flechten Verwendung fanden. Körbe entstanden so in kunstfertiger Handarbeit, die bei der Kartoffelernte zum Beispiel eingesetzt wurden. Mit derlei Flechtwerk haben die Altstadter Naturschützer natürlich längst nichts mehr am Hut. Ihnen geht es vielmehr darum, die Kopfweide als Lebensraum für verschiedene Vogelarten zu erhalten oder auch wieder anzubieten. Allerdings ist der Wiedehopf noch nicht wieder zurückgekehrt, der als auffälliger und farbenprächtiger Gast früher in den Kopfweiden heimisch war. Aber die Weidenmeise kann man durchaus häufiger in den Bäumen von der merkwürdigen Gestalt beobachten, deren fachgerechter Schnitt im Fachjargon als "Schneiteln" bezeichnet wird "Angeleiert" worden war die Pflanzung von Kopfweiden im übrigen vom ehemaligen Kreisvorsitzenden des Umweltverbandes, Winfried Fromm aus Lautzkirchen. Der Rückschnitt der langen Vorjahrestriebe zurück auf eine Art "Bubikopf "ist inzwischen zur Routine geworden - ein halber Morgen genügte, um die knorrigen Gesellen zurechtzustutzen und ihnen ein neues Outfit zu verleihen. Mehr Licht und Sonne wird künftighin auch der Teich haben, der sich inmitten des Biotops befindet. Die Weiden und sonstige Gehölze, die rund um die Ufer stehen, wurden gleichermaßen beschnitten - dafür sorgte insbesondere Neumitglied Patrick Heintz, der sich ganz engagiert ins Zeug legte. Speziell Molche fühlen sich in dem Tümpel mit dem klaren Wasser pudelwohl. "Wenn die Sonnenstrahlen des bevorstehenden Frühjahrs den Tümpel bescheinen, wird den kleinen Vierbeinern die Fortpflanzung sicher noch einmal so viel Spaß machen", erläuterte einer NABU-Helfer den Hintersinn des Pflegeeinsatzes.

Martin Baus





     Fotos: Martin Baus und Marion Geib

 


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Letzte Änderung: 2. Februar 2010