NABU warnt vor Manipulationen am „Wäschbach“

Über Jahrhunderte hinweg gab es in Altstadt ein ausgeklügeltes Be- und Entwässerungssystem, das der optimalen Bewirtschaftung der Wiesen in der Talaue der Blies diente. Mit der Industrialisierung der Landwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg und der Aufgabe vieler kleiner Bauernhöfe wurden die dazu erforderlichen Einrichtungen wie Scheidgräben, Schließen, Wehre, Quellen und Dämme weitgehend funktionslos. Erhalten blieb als zentrales Herzstück des Be- und Entwässerungssystems der „Wäschbach“ oder „Wässereigraben, der unmittelbar am Westhang des Kirchbergs beginnt.

Zu Beginn der 1980er-Jahre gab es nun Bemühungen, auch diesen künstlich angelegten Bachlauf zu verfüllen und zum Radweg am Rand der Bliesaue auszubauen. Ein längeres Teilstück zwischen der Verbindungsstraße von Altstadt nach Limbach hin zur Bahnlinie Mannheim-Saarbrücken und weiter parallel zur Blies verlaufend in Richtung Beeden war bereits in der 1960er-Jahren verfüllt und eingeebnet worden.

Gegen die Bestrebungen, das noch vorhandene und lokalhistorisch wie ökologisch bedeutsame Teilstück des Wäschbachs zu zerstören, wandte sich die damalige Ortsgruppe des Deutschen Bundes für Vogelschutz (heute Naturschutzbund). Mit der Wässereigenossenschaft Altstadt, in der alle Eigentümer jener Grundstücke zusammengeschlossen sind, die von der Be- und Entwässerung Nutzen ziehen, wurde ein Vertrag über die Pflege und Unterhaltung des Baches im Sinne des Naturschutzes geschlossen. Diese Vereinbarung sieht unter anderem die regelmäßige, behutsame Reinigung des Grabens in Handarbeit vor (bis maximal Ende März); zudem hat der der NABU bei möglichen Schäden (beispielsweise durch den Bisam) für schnelle Beseitigung zu sorgen. Der Einsatz von Maschinen ist zu vermeiden. Um die hervorragende Wasserqualität des Wäschbachs sicherzustellen, wurde vereinbart, ihn ausschließlich über einen artesischen Brunnen zu speisen, der sich nahe an der Feilbachschließe befindet. Dazu wurde diese Quelle durch einen Damm vom Feilbach angetrennt. Um die von einem Grundstückseigentümer befürchtete Vernässung seiner Wiese im Quellbereich zu verhindern, wurde in Absprache mit der Gemeinde und dem Umweltministerium sowie dem Grundstückseigentümer die Vereinbarung getroffen, dass der Damm den Wäschbach nicht völlig vom Feilbach trennt, sondern etwa zehn Prozent des Quellwassers in den Feilbach abläuft. Dadurch wird zwar der Wasserstand des Wäschbachs nicht auf dem eigentlich wünschenswerten und ökologisch sinnvollen Niveau gehalten, den Ansprüchen des Grundstückseigentümers soll auf diese Weise aber Rechnung getragen werden. Diese schriftlich fixierte Vereinbarung gilt seit Ende der 1980er-Jahre.

Der Altstadter Naturschutzbund ist sehr daran interessiert, diese Vereinbarungen einzuhalten, um auch in Zukunft den Wäschbach erhalten zu können. Deswegen war nun ein Eingreifen erforderlich, weil von unbekannter Hand an den Wässereieinrichtungen manipuliert und der Feilbach in den Wäschbach umgeleitet worden war. In die alte Feilbachschleuse waren Bretter eingesetzt worden, mit denen der Feilbach derart hoch angestaut worden war, dass er für einen hohen Wasserstand im Wäschbach sorgte. Diese hätte an einigen Stellen mit flachen Ufern fast zum Durchbruch geführt, in der Folge bestand das Risiko, dass der Wäschbach im mittleren und unteren Bereich trocken fällt. Zudem gelangten die Abwässer des Feilbachs in den Wäschbach und konterkarierten damit die Zielsetzung, Letzteren ausschließlich mit reinem Quellwasser zu versorgen. NABU-Helfer beseitigten die Anstauung umgehend und stellten so jene Verhältnisse wieder her, die vereinbart sind und die ökologisch wünschenswert sind.

Februar 2010
Martin Baus


Wehr an der Wäschbachquelle



Abfluss zum Feilbach



Mittelteil des Wässergrabens



Teil des Bewässerungssystems

Fotos Marion Geib


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Letzte Änderung: 17. Februar 2010